Piano Musik von
Gissel Velarde

Kritik

Artist: Gissel Velarde
Album: Angeles
Kritik von Matthew Warnock
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Klaviersolo kann eine der schwierigsten, aber dennoch der schönsten Formen des Selbstausdrucks sein, mit dem ein/eine Pianist(in) aufwarten kann. Ob Er/Sie ein Solo aus dem klassischen Repertoire aufführt, einen Jazzstandard interpretiert oder vor Ort ein vollständig improvisiertes Musikstück kreiert, ermöglicht die Orchesternatur des Instruments dem/der Pianisten(in) mit allen Hintergründen und Stilen Seine/Ihre Musikalität durch die Kunst des Klaviersolos auszudrücken. Die in Bolivien geborene Gissel Velarde hat vor kurzem eine Sammlung von sechs kurzen Klaviersolos für ihr Album Angeles aufgenommen und das Ergebnis ist ein angenehmer und faszinierender Blick in die musikalische Persönlichkeit dieser talentierten Künstlerin.

Jedes kurze Stück, das kürzeste dauert 90 Sekunden und das längste läuft knapp über fünf Minuten, ist eine musikalische Vignette, die eine Kurzgeschichte basierend auf einer oder zwei musikalischen Ideen erzählt. Durch die Auswahl, jedes Songs und durch die Kürze des Albums vermeidet Velarde jeden auralen Burnout mit ihrem Publikum. Dies kann sogar den besten Musikern manchmal passieren wenn sie ein langes Programm von Solos für jegliches Instrument zusammenstellen. Außerdem hilft es, dass jedes Stück den Fokus gut hörbar auf den Zuhörer richtet, und Diesen so auf eine musikalische Reise der motivischen, harmonischen und rhythmischen Kontinuität führt. Um nicht zusagen, dass dies ein Konzeptalbum beliebiger Art ist, jeder Song besteht eigenständig als eine vollständige, musikalische Aussage, aber innerhalb jedes Stücks ist die Absicht eindeutig fokussiert und vorgetragen. Es gibt keine Vermischung oder verschwendete Noten oder Ideen. Velarde konstruiert sorgfältig jede Zeile und Phrase, bietet sie mit tief emotionalem Einsatz und einem Verstand, wie sich diese Linie auf das bezieht, was gespielt wurde und wohin die Idee sie als nächstes mitnimmt. Dieser Gefühl der Verbindung ist einer der Gründe, warum diese kurze Aufnahme so erfolgreich und auf jeden Fall hörenswert ist.

Es gibt Momente, in denen Töne und Melodie sich verbinden, wie das Eröffnungsstück „Como en un Sueño (wie ein Traum),” welches schöne Arpeggien präsentiert, die das Fundament für eine einfache, aber höchst effektive melodische Aussage bilden und mit der Entwicklung des Stücks wächst. In Velardes Werk gibt es keinen Raum für unnötige Noten oder Aufblitzen. Dieses Stück ist ein Beweis für ihr fortgeschrittenes, musikalisches Können und die Suche für die perfekte Note für jeden bestimmten Moment.

„Entre Mundos (zwischen den Welten)” basiert auf einem sich dauernd wiederholenden Viernoten-Muster, welchesdlistig synkopiert und sich während des Stücks entwickelt. Velardes Wahl, zwei effektive Pausen einzulegen, eine am Anfang der Phrase, dann eine weitere zwischen jedem Zweinoten-Motiv, kann einem wie eine kleine Auswahl im größerem Rahmen eines Stücks vorkommen. Sie erweist sich jedoch als eine äußerst effektive Entscheidung, da sie eine dritte Schicht, Rhythmus, zu dem zweischichtigen Motiv Harmonie und Melodie hinzufügt.

Das Einbringen rhythmischer Vielfalt in ein Motiv kann auch in dem längsten Stück des Albums „El Jardín Etéreo (der himmlische Garten) wahrgenommen werden.” Hier wird der Rhythmus eingesetzt, um den Akkord durch das Stück hindurch zu betonen. Von den schnell in Angriff genommenen Töne zu Beginn des Songs, bis zu den längeren Hilfs- und rhythmisch getrennten Tönen im Mittelabschnitt, ist Velardes rhythmischer Ansatz einer der Gründe dafür, dass dieser Song und das Album als Ganzes den Zuhörer so direkt anspricht. Dies ist nicht nur ein bloßer Schaukasten für ihre technische Fähigkeit oder kreative Natur, sondern für ihre Liebe für die Melodie und rhythmischen Motive, die ihr hilft, sich gegen andere Solopianisten in dem Genre zu behaupten.

Angeles ist im Großen und Ganzen eine starke Veröffentlichung der in Bolivien geborenen Velarde, höchst kreativ, meisterhaft dargeboten, werden beim Publikum mehr Erwartungen geweckt. Kritik von Matthew Warnock.

Kritik von Matthew Warnock.

© Gissel Velarde
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